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01.04.2007
EPT-Finale in Monte Carlo
von Michael Keiner
Von
der Pokerszene sehnsüchtig erwartet und mit reichlichen Vorschusslorbeeren
bedacht, startete am 28. März das wohl größte Pokerturnier, das Europa
bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hatte. Schon die Anzahl der vorher getätigten
Reservierungen ließ darauf schließen, dass das diesjährige EPT Finale
alle Rekorde brechen würde. Austragungsort war das in der Nähe des monegassischen
Yachthafen gelegene Monte Carlo Bay & Ressort. Ein technisch hochmodern
ausgestatteter, geräumiger Veranstaltungssaal, bestückt mit 40 Pokertischen,
die besten Dealer aus aller Welt und die erfahrene Turnierleitung von
Thomas Kremser sollten perfekte Voraussetzungen für eine rundum gelungene
Veranstaltung schaffen. Ich nahm am 26. März noch in Wales an einer Fernsehproduktion
für 888.com teil, so dass ich am Dienstag von Cardiff über Amsterdam nach
Nizza anreisen musste. Mit deutlicher Verspätung erreichte ich gegen 22
Uhr den Veranstaltungsort und stellte mich umgehend in der langen Schlange
am Check in Schalter an. Meiner Bitte, am Tag 1 B spielen zu dürfen, wurde
großzügigerweise von der Turnierleitung entsprochen, so dass ich nach
den ziemlich stressigen letzten Wochen wenigstens noch einen Tag zur Regeneration
und Akklimatisierung herausschinden konnte. Das Buy in von 10.000 € in
Verbindung mit den hohen Teilnehmerzahlen versprach einen außergewöhnlich
hohen Preispool, so dass auch etliche Topprofis aus Amerika den Weg nach
Monte Carlo auf sich nahmen. Als dann die offiziellen Zahlen veröffentlicht
wurden, war wahrscheinlich selbst der Veranstalter positiv überrascht:
706 Spieler hatten ein Startgeld von 10.000 € auf den Tisch geblättert
oder sich einen Seat online gesichert, so dass ein Preisgeld für den Gewinner
von über 1,8 Millionen € lockte, selbst der zehnte Platz wurde noch mit
knapp 100.000 € vergütet. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen wurde die
Veranstaltung insgesamt um einen Tag verlängert, der Finaltisch sollte
erst am 02. April ausgetragen werden. 7 Levels à 90 Minuten standen am
jeweiligen Tag 1, der organisatorisch in ein Feld A und B aufgeteilt wurde,
auf dem Programm. Die Startdotation an Chips betrug 15.000 und der erste
Blindlevel war 25/50, alle Merkmale eines Deep Stake Turniers wurden also
erfüllt. Am Tag 1A reduzierte sich das Feld von 329 gestarteten Spielern
auf insgesamt 159, der Tag 1B hatte mit 377 Teilnehmern ein etwas größeres
Starterfeld. Pünktlich um 14 Uhr nahm ich an meinem Tisch Platz und musste
zu meiner Überraschung feststellen, dass ich bis auf einen ziemlich locker
spielenden Franzosen keinen einzigen weiteren Mitbewerber persönlich kannte.
Die zwanglose Plauderei der nachfolgenden Minuten brachte etwas Licht
ins Dunkel. 3 Amerikaner, die ihren Sitz mit Einsätzen zwischen 30 und
50 $ bei mehreren Onlinesatellites gewonnen hatten, 1 italienischer Geschäftsmann,
der aus einer Laune heraus zum ersten Mal an einem Pokerturnier teilnahm
und dafür 10.000 € hinblätterte, 2 Engländer, die ihren Sitz ebenfalls
online ergatterten, sowie 2 weitere ziemlich verbissene Zeitgenossen,
die mir nicht mal ihr Herkunftsland verraten wollten, bildeten die Anfangskonfiguration.
Schon nach einer Stunde war mir klar, dass ich entweder mit mindestens
50.000 Chips den Tisch verlassen würde oder relativ früh die Segel streichen
müsste. Der Italiener konnte nicht einmal vernünftig das Board lesen,
gewann aber über irgendwelche Wunderkarten seine wiederholten All ins,
nur um dann innerhalb von Minuten seine Chips erneut sinnlos am Tisch
zu verteilen. Die 3 Amis spielten tatsächlich so, als ob es sich um ein
30 $ rebuy Turnier handeln würde, selbst Gus Hansen hätte deren Strategie
als äußerst kreativ bezeichnet. Deren Schwäche lag eindeutig in einem
massiven Overplay ihrer Karten und genau hier wollte ich meinen Hebel
ansetzen, während ich geduldig auf meine Chance wartete. Besonders mein
linker Nachbar zeigte ausgeprägtes Interesse an meinen Aktivitäten und
callte jedes Raise von mir. Chance Nr. 1 bot sich, als ich am Button K-J
suited dreifach raiste und sein Standard call aus dem Small Blind bekam.
Der Flop schenkte mir mit J-10-6 das Toppaar und meine potsized Bet wurde
natürlich wieder gecallt. Ein König am Turn gab mir Top 2 Paar, erneut
wettete ich ungefähr Pot und wurde sofort gecallt. Der River brachte eine
belanglose 4, allerdings lagen jetzt 3 Karos im Board. Er checkt zum dritten
Mal, aber irgendwie schien ihm der River recht gut gefallen zu haben.
Ich checke also ebenfalls und sofort präsentiert er mir mit Q-3 in Karo
den zweithöchsten Flush. Zwei Stunden später renne ich wieder in ihn,
diesmal mit A-J, erneut zeigt er mir einen Flush am River. Auf diese Art
und Weise habe ich bis etwa 22 Uhr die Hälfte meiner Chips verbraten,
ohne auch nur einen einzigen Showdown gewonnen zu haben. Vielleicht wendet
sich jetzt das Blatt, denke ich noch, als ich in MP1 Pocket Asse finde,
das erste hohe Paar des Turniers. Ich raise den dreieinhalbfachen Big
Blind, das obligatorische Call meines linken Nachbarn natürlich erwartend.
Er macht mir die Freude und wir sind Heads Up preflop. Das Board zeigt
10-8-2 rainbow, ich checke und er spielt mit 1.000 etwa halben Pot an.
Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich, gleich all in zu gehen und
ohne viel Überlegung callt er meine restlichen 5.500. Im Showdown zeigt
er 10-9 offsuit, ich bin also mit 78 % klarer Favorit und hoffe inständig,
die Hand gewinnen zu können. Aber natürlich kommt am River die 9, er macht
2 Paar, meine Asse sind nur noch Schrott wert und das EPT Finale hat einen
Spieler weniger. Na gut, dann werde ich halt mein Glück in den angebotenen
Nebenevents probieren, nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
mit freundlicher Genehmigung von:
ISA-Casinos
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