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08.05.2007
AMS unterstützt Poker Card Casino

Glücksspiel? Gegen das Royale-Casino in Wr. Neustadt läuft eine Anzeige. Vor dessen Eröffnung vermittelte das AMS Arbeitslose als Croupiers – und bezahlte deren Ausbildung.

Wr. Neustadt. Auf den ersten Blick sieht alles eitel Wonne aus: Das Arbeitsmarktservice (AMS) lässt Arbeitslose als Poker-Dealer ausbilden, übernimmt die Kosten dafür und verschafft den Beschäftigungslosen auf diese Art einen Job. Der einzige Haken an der ganzen Sache: Darüber, ob diese Beschäftigung eine legale ist, scheiden sich die Geister.

Konkret geht es um das Ende April eröffnete Poker Card Casino in Wiener Neustadt. Es ist das größte seiner Art in Europa und beschäftigt etwa 80 Poker-Dealer. Das sind Croupiers, die speziell auf das Pokerspiel geschult wurden. Zumindest ein Drittel der 80 Dealer wurden vom AMS vermittelt, sagt Kurt Haindl, Chef des Poker Royale Casinos im Gespräch mit der „Presse“. Ausgebildet wurden die Arbeitslosen ab Februar in den Räumlichkeiten des Casinos. Kosten: 1000 Euro pro Person. Bezahlt vom AMS.

Ob das Casino eine legale Form des Kartenspiels anbietet oder nicht, war bereits vor dessen Eröffnung ein viel diskutiertes Thema gewesen. Es geht darum, ob Poker als Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel gesehen wird. Zählt es als Glücksspiel, fällt es unter das Glücksspiel-Monopol und darf derzeit ausschließlich von den Casinos Austria und den Österreichischen Lotterien angeboten werden. Zählt es als Geschicklichkeitsspiel, darf es auch von anderen betrieben werden.

Juristischer Poker garantiert

Das Finanzamt will dieser Frage auf den Grund gehen und hat deswegen Anzeige erstattet. Laut Finanzministerium habe nämlich der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) in seinem Erkenntnis 2000/17/0201 zweifelsfrei festgestellt, dass Poker Glücksspiel sei.

Tatsächlich ist die Rechtslage alles andere als eindeutig. Fakt ist, dass es in Österreich zahlreiche Poker-Casinos gibt, die trotz heftiger Kritik der Casinos Austria sowie mehrerer erfolgter Anzeigen bereits seit Jahren existieren. Deshalb fürchtet Haindl die derzeit laufenden Ermittlungen auch nicht. Für ihn ist Poker „ganz klar Sport und nicht Glück“. Um den „juristischen Poker“ zu gewinnen, kooperieren selbst die größten Konkurrenten, nämlich Peter Zanoni, Chef des Concord Card Casinos in Wien, und Haindl. „Zanoni und ich arbeiten in dieser Sache intensiv zusammen“, sagt Haindl.

Zanoni verfügt über jahrelange Erfahrung im Kampf gegen die Behörden. „Ich kann beweisen, dass unser Angebot keineswegs illegal ist“, sagt er. Zanoni bezieht sich auf ein Gutachten der niederländischen Universität Tilburg. In dem der „Presse“ vorliegenden Papier ist zu lesen, dass Poker „als Geschicklichkeitsspiel einzustufen“ ist. Der „Grad der Geschicklichkeit“ sei größer „als jener, der beim Schnapsen zu erwarten ist“. Schnapsen gilt in Österreich als Geschicklichkeitsspiel. Den letzten Rechtsstreit mit den Casinos Austria hat Zanoni gewonnen. Er wurde vom Vorwurf, „Spiele, bei denen Gewinn und Verlust ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängen“, freigesprochen.

AMS bestätigt Vermittlung

Beim AMS wollte man keine Stellungnahme zu der Frage, ob die Unterstützung von Poker-Casinos ein rechtliches oder moralisches Problem sein könnte, abgeben. Dass Arbeitskräfte vermittelt wurden, bestätigte das AMS aber. Man könne zwar nicht genau sagen, wie vielen Croupiers man die Ausbildung bezahlt habe. Allein in Niederösterreich seien es „aber mindestens fünf“ gewesen.

Quelle: Die Presse at

 
 
 
   
 
 
     
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